Reisetagebuch

Nachdem die WM beendet war, konnte die Rundreise beginnen. Von Tokio aus besuchten wir Kyoto, Hiroshima, Beppu und Nagasaki. Ich habe versucht kurz die wichtigsten Stationen der Reise zusammen zu fassen.

Kyoto (Montag bis Mittwoch)
Hiroshima (Donnerstag)
Beppu (Freitag und Samstag)
Nagasaki (Sonntag)
Tokio (Montag bis Mittwoch)

Kyoto

Tag 1 und 2:
Im Westen der Insel Honshu liegt Kyoto. Die ehemalige Hauptstadt (794 – 1868) war nach Tokio das erste Ziel unserer Reise und bequem mit dem Shinkansen zu erreichen. Schon beim kurzen Transfer mit dem Bus zwischen dem Bahnhof und dem Hotel fiel das Schachbrettmuster der Straßen aus, das charakteristisch für das japanische Zentrum der traditionellen Kultur ist. Oftmals fand man kleine Schreine zwischen verschiedenen Wohnhäusern oder Mitten im Verlauf einer der großen Einkaufsstraßen wie Teramachi Dori und Shinkyogoku Dori. Religion und Moderne sind in Kyoto fest ineinander verbunden.
Die Stadtführung am Dienstag beinhaltete den Besuch von fünf Sehenswürdigkeiten.
Das erste Ziel war der Goldene Pavillon (Kinkaku-ji), der sich malerisch im Wasser spiegelte. Leider hatten wir nicht viel Zeit, um die Schönheit der Gartenanlage und des Pavillons zu bewundern, da das nächste Ziel der Reise schon auf uns wartete.
Das Schloss Nijo beeindruckte ebenfalls durch die Dimensionen und dem Gang der Nachtigallen. Aus Furcht vor Attentäter hatte der Tokugawa Shogun 1603 mit dem Bau des Schlosses einige zugleich Sicherheitsvorkehrungen gegen unliebsame Besucher getroffen. Darunter auch besagten Flur, der bei jedem Tritt auf das Holz einen zwitschernden Ton von sich gibt. Prächtige Wandmalereien und Geheimkammern bestimmten zudem den Innenraum der alten Shogunresidenz.
Das berühmteste Gebetshaus von Kyoto durfte selbstverständlich nicht fehlen. Und kurze Zeit nachdem wir vom Schloss Nijo losgefahren waren, empfing uns die beeindruckende Kulisse des Kiyomizu-dera Schreins. Zwischen den Horden von Touristen und Schulklassen konnte man trotzdem spüren, dass die Harmonie zwischen Mensch und Natur an diesem Ort stimmt. Lange Schlangen bildeten sich an einer Quelle unterhalb der Haupthalle des Tempels. Diesem Quell werden Heilkräfte nachgesagt, so dass sich viele Besucher diese Gelegenheit sich gegen Krankheiten zu schützen nicht entgehen lassen wollten.
Nach einer kurzen Pause stand der Besuch der Tempel Sanj?sangen-d? und Heian-jing? auf dem letzten Teil des Besichtigungsprogramms.
Der Hauptbau des Sanj?sangen-d? ist mit 120 m ziemlich lang aber schmal. Im Inneren wartet eine Phalanx von 1001 lebensgroßen, messingfarbenen Kannon-Statuen sowie einer Kannon-Statue mit 40 Armen. Jeder dieser Arme rettet 25 Welten und bildet daher den 1000 armigen Buddha. Jedes Jahr findet an diesem Tempel ein Bogen-Wettbewerb statt, bei dem die Kontrahenten vom einen zum anderen Ende des Tempels die Pfeile auf eine Zielscheibe schießen. Einer der besten Schützen, welcher im Sanj?sangen-d? seine Kunst zur Schau stellte und auch als solcher im Yakazucho verewigt ist, war Daihachiro Wasa. Er schoss am 7. April 1686 in einer Zeit von 24 Stunden 13.053 Pfeile über die Veranda, wovon 8.133 ihr Ziel trafen. Dies entsprach einem Durchschnitt von 9 Pfeilen je Minute.
Das Ende unserer Tour an diesem Tag war der Besuch des Heian-Schreines. Um die Hauptgebäude herum befindet sich der Shin-en, ein Garten aus vier Teilen, die an den vier Himmelsrichtungen orientiert sind und im Stil der Meiji-Zeit angelegt sind.

Tagesausflug nach Nara und Osaka

Tag 3:
Nachdem wir uns von dem anstrengendem Besichtungsprogramm vom Vortag erholt hatten, bestand am nächsten Tag die Möglichkeit die Stadt Nara sowie Osaka zu besuchen. Nagai Shihan hatte in Nara die Besichtigung der Tempelanlage Todai-ji und in Osaka den Besuch der gleichnamigen Burg vorgesehen und organisiert.
Zunächst begrüßten uns in Nara Rehe, die im gesamten Gebiet der Innenstadt leben, sich frei bewegen, ein beliebtes Motiv für die Touristen sind und diese anbetteln und ab und zu frech von Hinten angreifen, um an Futter zu kommen.
Nach einem kurzen Fußmarsch konnten wir bereits die Hauptattraktion der Stadt sehen: Die riesige Tempelanlage von Todai-ji, mit einer Länge und Breite von mehr als 50 Meter. 745 wurde der Tempel gegründet und bis heute mehrfach neu aufgebaut. So umfasst die heutige Anlage nur noch rund 2/3 der ehemaligen Fläche. Im Inneren der Anlage befindet sich die Halle des großen Buddhas. 16,2 Meter hoch mißt diese Bronzestatue und damit gleichzeitig das größte Bronzebildnis Japans.
Nachdem wir genügend Zeit dort und in den umliegenden Tempelanlagen verbracht hatten, fuhren wir nach Osaka, um uns dort Osaka Castle anzusehen. Mehr als drei Kilometer mussten zunächst von der Bahnstation bis in das Innere des Burggeländes zurückgelegt werden. Jedoch befand man sich währenddessen bereits auf dem Gelände der Burg und passierte die verschiedenen Schutzwälle. Zwar ist die Burg nicht mehr im Original erhalten, die Japaner haben sich aber bemüht 1931 die Burg so exakt wie möglich zu rekonstruieren. Der Bauherr Toyotomi Hideyoshi ließ die Burg 1583 erbauen. Bereits 1615 wurde sie von Tokugawa Ieyasu eingenommen und einige Jahre später dem Erdboden gleichgemacht. Auf den ersten Blick wirkte diese Burg beeindruckend auf uns, aber früher oder später verlor sich dieser Eindruck unter der Gewissheit, dass wir vor einem riesigen Betonklotz standen. Trotzdem hatte sich dieser Tagesausflug gelohnt.

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Himeji und Hiroshima

Tag 4:
Die Burg Himeji war eine kurze Zwischenstation zu unserem Tagesziel Hiroshima. Diese Feudalburg wurde 1610 mitten auf einem Hügel erbaut. Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese Burg nicht gestürmt und mittlerweile ist sie als Weltkulturerbe von der Unesco eingestuft worden. Die Außenanlagen sind einmal mehr durch einen wunderschönen Garten, der vor allem von Kirschbäumen dominiert wird, geprägt. Im Inneren der Burg werden Waffen ausgestellt. Während des Rundganges wird man Zeuge, wie damals auf dieser Burg gelebt wurde, und welche Tricks genutzt wurden, um sich im Falle einer Belagerung zu schützen. Unter anderem gibt es eine blinde Etage, in der es kein Fenster gibt, um vor feindlichen Beschuss sicher zu sein.
In Hiroshima selbst besichtigten wir den Friedenspark, der nur wenige hundert Meter von unserem Hotel entfernt war. Am 6. August 1945 fiel hier die erste Atombombe und radierte die gesamte Innenstadt aus. So verwundert es nicht, dass das Stadtbild von Betonklötzen dominiert wird und einer Betonwüste gleicht. Der Friedenspark hingegen ist als grüne Fläche ein Ort der Ruhe und Andacht. Der Zenotaph bildete den Mittelpunkt des Parkes Hier werden jedes Jahr die Namen der Toten, die aufgrund der Auswirkungen der Bombe starben, im Rahmen einer Trauerfeier, in einer Truhe versenkt. Im Hintergrund des Parkes liegt die Atombombenkuppel, eine Ruine, die als Mahnmal gegen Nuklearwaffen dient. Im nahen Atombombenmuseum wird man über die Gründe des Abwurfes der Atombombe, die Folgen und Auswirkungen informiert. Ebenso findet man eine Uhr, die die Anzahl der Tage seitdem Abwurf der Atombombe zeigt, sowie die der letzten Atomtest. Aufgrund der aktuellen Ereignisse zeigte dieser Zähler 31 Tage.

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Miyajima und Beppu

Tag 5 und 6:
Nach einer kurzen Nacht in Hiroshima ging es nahtlos am folgenden Tag weiter. Zwischenetappe an diesem Tag war der Itsukushima-Schrein auf Miyajima. Diesen roten Torii, der im Wasser steht und über diesem zu schweben scheint, haben bestimmt schon viele Leute auf Fotos gesehen. Wir erlebten in an diesem Tag hautnah. Erst vor einigen Jahren zerstörte ein Taifun die dazugehörige Tempelanlage. Sehen konnte man davon jedoch nichts mehr. Mit viel Glück konnte man eine japanische Hochzeitsgesellschaft auf dem Weg zur Trauung beobachten.
Nachdem wir einige Stunden Zeit hatten die Tempelanlage, die umliegenden Museen und Sehenswürdigkeiten zu besuchen, ging es wieder einmal per Zug nach Beppu.
In Beppu gibt es natürliche heiße Quellen. Die ersten wurden vor über 1200 Jahren entdeckt und liefern noch heute heißes Wasser. Hier konnten wir im Hotel gut zwei Tage die Seele im Bad und gemütlichen Hotelzimmer mit Tatamiraum baumeln lassen.
Neben den heißen Quellen bietet Beppu noch weitere Sehenswürdigkeiten wie den Affenberg, auf dem verschiedene Affenfamilien ihr Unwesen treiben sowie eines der größten japanischen Aquarien mit einer großen Vielfalt von Meeresbewohnern.

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Nagasaki

Tag 7:
Nach 5 Stunden Zugfahrt erreichen wir Nagasaki. Die zweite Stadt in Japan, die im zweiten Weltkrieg von einer Atombombe zerstört wurde, bietet ebenfalls nur wenig Sehenswürdigkeiten, ist jedoch ein wenig Multikultureller als die meisten Städte in Japan. In Nagasaki befand sich einst das Tor zum Rest der Welt. Von hier aus erreichten Japan Güter aus fernen Ländern, bis zur Isolation.
So ist es nicht verwunderlich, dass man im Stadtbild hin und wieder auf eine Kirche trifft.
Im Süden der Stadt und nur wenige Minuten von unserem Hotel entfernt liegt der landschaftlich wunderschön gelegene Glover Park mit zahlreichen Gebäuden aus der Meiji Ära. Dies waren die Häuser der ersten ausländischen Einwohner, die sich im 19. Jahrhundert in Nagasaki ansiedelten. Darunter ist Glover Mansion, das älteste im westlichen Stil erbaute Gebäude Japans, von dem man sagt, es sei das Haus der tragischen Heldin Puccinis, Madame Butterfly. Unvergleichbar ist jedoch der Überblick über die Stadt und den Hafen von Nagasaki.

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Tokio

Tag 8 und 9:
Am Montag kehrten wir per Flug nach Tokio zurück und konnten die verbleibende Zeit nutzen, um einige Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen.
Einige verbrachten die Zeit im Edo- oder Nationalmuseum. In diesen Museen kann man zum einen die Stadtgeschichte der Hauptstadt nachverfolgen und zum Anderen einen Einblick über die Entwicklung des Landes bis Heute gewinnen. Der Besuch dieser beiden Museen sollte auf keiner Reise fehlen. Um alle Ausstellungen zu sehen, empfiehlt es sich genug Zeit mitzubringen.
Der Besuch des Kaiserpalastes, des Meiji-Schreines oder der Gräber der 47 Ronin war ebenfalls möglich. Der Meiji-Schrein inmitten eines riesigen Parkes wurde zum Gedenken an den Kaiser Meiji gegründet, der die Öffnung von Japan nach langer Isolation voran brachte. Unter anderem befindet sich hier das größte Holztor des Landes.
Ein weiterer Tip ist der Besuch der Gräber der 47 Ronin. Diese Samurai übten erst Jahre nachdem sich ihr Herr umgebracht hatte Rache und begangen ebenfalls Seppuku. Noch heute werden die Gräber von vielen Japanern besucht und dabei ihre grenzenlose Loyalität gehuldigt. Die Gräber der 47 Ronin und der Schrein des Lord Asano befindet sich in Sengakuji und ist ein Besuch wirklich wert.
Ein weiterer Geheimtipp ist der Besuch der Hochhäuser in Shinjuku. Das Opernhaus oder das Sumitomo-Building bieten die Möglichkeit aus großer Höhe einen Überblick über Tokio zu gewinnen. Besonders lohnt sich ein Besuch wenn es schon dunkel ist.