Bundeslehrgang 2004 in Greven
Geschrieben von Michael Surkau   
Sonntag, 14 März 2004
Nachdem in der Vorwoche die Teilnahme von Shinji Tanaka am Bundeslehrgang in Greven bekannt geworden war, fieberten Karatekas aus ganz Deutschland der ersten Trainingseinheit des Wochenendes entgegen. 160 Karatekas fanden schließlich den Weg nach Greven, dieses Mal wieder in die Rönnesporthalle, so dass ausreichend Platz vorhanden war. Shihan Akio Nagai präsentierte sich bester Laune, gleichermaßen waren auch Shihan Norio Kawasoe und Tanaka Sensei gut aufgelegt.
Kurz nach drei wurde Tanaka Sensei den Lehrgangsteilnehmern vorgestellt. Unübersehbar war der in Kyoto lebende Japaner der selbst den deutschen Bundestrainer Nagai Shihan und den österreichischen Nationalcoach Kawasoe Shihan um mehr als einen Kopf überragte. Zu seinen sonstigen persönlichen Profil sei gesagt: 35 Jahre Jung, Weltmeister 2000 im Kumite und spritzig schnell bei der Ausführung von Techniken.
Die Gymnastik war umfassend, gut und ohne viel Umschweife begann Tanaka Sensei mit dem Kihontraining. Natürlich waren die üblichen Kriterien wie Körperhaltung, Schnelligkeit Punkte, auf die Tanaka Sensei viel Wert legte, viel größeren Wert legte er hingegen auf die richtige Atmung und das Zusammenspiel mit der Hüfte.
Der Aufbau der Kihoneinheit hatte es zusätzlich in sich. Am Anfang wurden nur ein, zwei Techniken geübt, kombiniert mit den gelegentlichen Drehungen, so dass die Teilnehmer die Gelegenheit hatten die Erklärungen des Weltmeisters zu verinnerlichen und in die Tat umzusetzen. Nach der Kihontrainingseinheit wurden zwei Gruppen gebildet. Weiß bis Grüngürtel kamen in den Genuss einer Trainingseinheit von Shihan Kawasoe, in der der Bundestrainer von Österreich seine Kenntnisse im Kumite an die Unterstufe weitervermittelte. Während seiner Ausführungen zum Kumite, betonte er nochmals, dass im traditionellen Karate die Höflichkeit gegenüber dem Partner und dem Trainer, gleich ob Sensei oder Sempai großgeschrieben wird.
Sensei Tanaka blieb seiner Linie bei den Violett bis Schwarzgurten treu und formte ein simples Kumite, dass aus jeweils einer Blocktechnik und Kontertechnik bestand.
Nachdem diese Form mehrmals locker trainiert worden war, vollzog Tanaka Sensei einen Schnitt und forderte die Karatekas mit der Ausführung der Katas Heian Yondan und Gojushiho Dai. Nach einer Pause ging es frisch ans Werk, wobei wieder die zwei Gruppen gebildet wurden. Shihan Kawasoe unterwies erneut die Weiß, Gelb, Orange und Grüngürtel in verschiedenen Kumiteübungen. Zusätzlich wurden die Heian Katas gründlich geübt. Bei der zweiten Gruppe stand wiederum Gojushiho Dai, Bassai Dai und Reaktionstraining mit einem Partner auf dem Plan.
Zum Abschluss forderte Shihan Nagai, der sich bis dahin einen Überblick über den Leistungsstand seiner Schüler verschafft hatte, die Schwarzgurte zum Freikampf auf, bei dem auch Sensei Tanaka einigen Schwarzgurten als Partner fungierte. Abends wurde, wie schon in den letzten Jahren, im gemütlichen Hotel Wermelt gefeiert. Bis tief in die Nacht wurden Neuigkeiten und Geschichten bei guten Essen und kühlem Bier ausgetauscht. Um kurz nach Elf Uhr ging es am Sonntagmorgen los. Shihan Kawasoe weckte die Teilnehmer des Lehrgangs aus ihrer Lethargie und wärmte diese erstmal so richtig auf.
Wie es auf den Bundeslehrgang üblich ist wurden dann parallel zum Training die Prüfungen abgenommen.
Während die 75 Prüflinge unter den strengen und kritischen Augen von Shihan Nagai und seinen Helfern ihr bestes gaben, schwitze der Rest unter dem anspruchsvollen Training von Kawasoe Shihan und Tanaka Sensei. Vor allem im Katabereich agierten die beiden Karategrößen zusammen. Tanaka Sensei erläuterte die Techniken auf Englisch, Kawasoe Shihan übersetze und fügte die eine oder andere Erläuterung hinzu.
Mit lautem Applaus bedankten sich die Teilnehmer zum Abschluss des Lehrgangs bei den drei japanischen Trainern, die sich viel Mühe gegeben hatten um dieses Wochenende abwechslungsreich und spannend zu gestalten.
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 04 Dezember 2015 )