Bundeslehrgang in Greven
Geschrieben von Michael Surkau   
Sonntag, 05 März 2006

Bundestrainer Nagai hatte für ein spannendes Wochenende vorgesorgtDie Frage, ob der Bundeslehrgang in Greven in diesem Jahr gut werden sollte, stellte sich eigentlich nicht. Schon im Vorfeld hatte Bundestrainer Nagai Shihan für gutes Gelingen gesorgt, als er Daizo Kanazawa, den zweiten Sohn des Weltcheftrainers, als Gast gewinnen konnte. Vielmehr stellte sich die Frage, wie gut dieser Lehrgang werden sollte.
Die Rahmenbedingungen des ausrichtenden Dojo Shimazu stimmten, denn für eine warme Halle und ein reichhaltiges Angebot an Kuchen und Getränken war gesorgt. Nur das Wetter machte es einige Tage vor dem Lehrgang spannend, als Schneemassen ein ähnliches Straßenchaos wie im letzten Jahr verursachten.
Den Straßenverhältnissen trotzen über 180 Teilnehmer, die aus allen Ecken der Bundesrepublik kamen. Sicherlich die weitesten Wege hatten die Karateka aus Simbach, Sylt und Zittau.

Daizo KanazawaDie erste Trainingseinheit des Wochenendes leitete der Gast aus Japan, und strahlte mit seinen 32 Jahren eine routinierte Ruhe aus, obwohl er ohne Probleme die große Halle mit seiner Stimme füllte. Techniken und Abläufe wurden in einem Mix aus Japanisch, Englisch und ein kleines Bisschen Deutsch erklärt. Als Übersetzer war Akio Taoka tätig. Allzu oft musste er allerdings nicht das Wort ergreifen. Zum einen waren die vielen Gesten von Kanazawa selbsterklärend. Zum anderen war „das meiste so selbstverständlich, dass ich gar nicht übersetzen musste, so Taoka.
Schon nach wenigen Minuten Zuki-Waza, dass Erinnerungen an das Training von Tsuyama Shihan beim Sommergasshuku 2004 in Auerbach weckte, prägte Kanazawa den für diesen Tag gültigen Ratschlag: „Wer die Übung als anstrengend empfand, muss sie öfters üben.
Beim Oi-Zuki soll man das Gefühl haben, dass die Bewegung aus der Wirbelsäule initiert wird, beim Maegerie soll sich die Spannung von der Ferse zum Ballen entladen, und, und und. Jede Übung wurde exakt erklärt. Die häufigsten Fehlerursachen angesprochen und anschließend einmal mehr mit dem Partner, langsam und schnell geübt.
Nach den ersten 90 kraft raubenden Minuten folgte eine halbstündige Pause, bei der die Teilnehmer ihre Energiespeicher bei Kaffe und Kuchen auffüllen konnten, und Nagai Shihan und Daizo Kanazawa für Gruppenfotos und Autogramme zur Verfügung standen.

In der zweiten Trainingseinheit wurden, wie auf einem Bundeslehrgang üblich, drei Trainingsgruppen gebildet. Die Oberstufe wurde von Daizo Kanazawa trainiert. Die Mittel- und Unterstufe wurden von zwei alt gedienten Schülern von Nagai Shihan, der seine Schüler beobachtete, unterrichtet.
Antonio Ceferino, 5. Dan, brachte den Weiß- bis Grüngurten die Grundzüge der Disziplin im Karate näher und erklärte ihnen warum diese so wichtig ist.Beim Kihontraining verzichtete er auf spektakuläre Kombinationen und richtete den Fokus auf wenige, gezielte Techniken, schnelles Vorkommen und exakten Kimeeinsatz. Diese Trainingsinhalte galt es anschließend beim Sanbon-Kumite und beim Training der verschiedenen Heian-Kata umzusetzen.
Eugen Sensei, 6. Dan, brachte seine Erfahrung aus jahrelangem Training und unzähligen Wettkämpfen den Violett- und Braungurten (5.-2.Kyu) näher, die ein anstrengendes kumite-orientiertes Training erlebten. Der Schwerpunkt lag vor allem in der Reaktion auf die Angriffe des Partners. Eugen Sensei erklärte und zeigte ihnen, dass es nicht nur die Möglichkeit gibt zurück zu gehen, sondern auch die Möglichkeiten sich zur Seite zu bewegen.
Die lauten Kiai der Mittelstufe, die durch Eugen Sensei immer und immer wieder zu mehr Leistung motiviert wurden, machten die Erklärungen der Kata „Chinte“ von Kanazawa fast unverständlich, doch trotz der lauten Kulisse konnten die Braun und Schwarzgurte die verschiedenen Technikvariationen, verstehen und wenige Minuten später zur Zufriedenheit des Sensei umsetzen.
Beim anschließenden Happo-Kumite wurde vor allem die korrekte Wahrnehmung des Maaii geschult. Die Karateka mussten immer wieder die Verbindung zwischen der Technik und dem Ziel schaffen und dabei den Konter des Partners möglichst effektiv verhindern ohne sich selbst eine Blöße zu geben.

Beendet wurde das Training am Samstag mit einigen Freikämpfen und einem kleinen Katatraining.
Im Hotel Wermelt wurde bis tief in die Nacht gefeiert. Die Gelegenheit Daizo Kanazawa näher kennen zu lernen, ließen sich nicht viele Karateka nehmen und so entwickelte sich schnell ein geselliger Abend, der erst in den frühen Morgenstunden sein Ende finden sollte.
Trotz der kurzen Nacht waren die Karateka am nächsten Tag hellwach, als Shihan Nagai das Training mit knackigen Partnerübungen, bei denen Schnelligkeit gefragt war, begann. 15 Minuten reichten Nagai Shihan aus, um seine Schüler zum Schwitzen zu bringen.

Während die Kyuprüfungen in einem Teil der Halle abgenommen wurden, kam der Rest des Teilnehmerfeldes erneut in den Genuss einer Übungseinheit des jungen Gastes des Bundestrainers. Aufgrund mangelndes Platzes waren die Variationen des Kihontrainings beschränkt, so dass vornehmlich einzelne Techniken wie Oi-Zuki, Mae- und Ushiro-Geri im vorgehen trainiert wurden.
Bevor sich Nagai Shihan und Kanazawa Sensei sich von den vielen Teilnehmern und dem Publikum verabschiedeten, wurden die Prüfungen zu den Kyugraden 3-1 erstmals öffentlich abgehalten.
Insgesamt 44 Karateka stellten sich den strengen Augen des Prüfungskomitee und gaben ihr Bestes im Kihon, Kata und Kumite und konnten am Ende stolz über den erreichten neuen Gurtgrad sein.

Mal wieder war ein Bundeslehrgang zu Ende, der in diesem Jahr gut besucht war und hielt was die Ausschreibung versprochen hatte. Anstrengendes und motivierendes Training bei zwei japanischen Großmeistern. Die Anwesenheit der ältesten Schüler von Nagai Shihan und deren Trainingseinheiten bei der Unter- und Mittelstufe dürfen nicht unerwähnt bleiben, schließlich gab es hierfür ebenfalls viel Lob von den Teilnehmern und zahlreichen Zuschauern.

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 04 Dezember 2015 )