Karate- auf die japanische Art und Weise
Geschrieben von Michael Surkau   
Dienstag, 06 Juni 2006

Pfingsten begann für die Karateka des S.K.I.D. in diesem Jahr bereits am Donnerstag, als der diesjährige Gast Ryusho Suzuki Sensei aus dem S.K.I.F. Honbu Dojo in Dresden ankam. Noch am selben Abend leitete er ein Kataspezialtraining, das überwiegend von Karateka aus der Umgebung von Dresden besucht wurde. Nach einer Einheit für die alle Teilnehmer folgte eine weitere für Braun- und Schwarzgurte.
Das Katatraining unter Suzuki Sensei sollte auch die folgenden Tage des Pfingstlehrganges in Pirna dominieren, da der Gast aus Japan die Trainingeinheiten leitete und Nagai Shihan sich größtenteils darauf beschränkte seinen Gast und seine Schüler genau zu beobachten.

The Japanese Way…

Das Training von Suzuki Sensei gliederte sich in drei Stufen: „relax“, „speed“ und „no count“. Relax bildete die erste Stufe. Hierbei sollte vor allem der Ablauf der Kombination verinnerlicht, und die Technik stark ausgeführt werden. Die zweite Stufe folgte auf das Kommando „speed“, worauf kurz danach „no count“ folgte. Bei diesem Kommando musste Geschwindigkeit mit Kraft und Dynamik verbunden werden. Suzuki Sensei führte Kombinationen vorbildlich vor und verbesserte sehr selten. Er überließ diese Aufgabe Eugen Landgraf und Reinhard Nawe, die immer wieder durch die Reihen gingen und kleine Korrekturen vornahmen. Fielen Suzuki Sensei größere Fehler auf, erklärte er diese vor allen Teilnehmern in eine ruhigen Art und Weise, die die Teilnehmer zwang gut zuzuhören und einen dichten Kreis um ihn herum zu bilden.

Dies wurde vor allem beim Katatraining genutzt. Bevor er jedoch Details der einzelnen Katatechniken zeigte, führte er diese zunächst komplett vor, um später die genauen Problemstellen zu erläutern. Zusammen mit Nagai Shihan beantwortete er alle Fragen, die zu den verschiedenen Kata gestellt wurden. Oft genutzt wurde dies jedoch nicht. Offen ist, ob die Teilnehmer sich nicht trauten Fragen zu stellen, oder ob die Abläufe der einzelnen Kata von jedem verinnerlicht waren.
Die größten Unterschiede fielen dem ehemaligen Weltmeister immer wieder beim Katatraining auf. Lächelnd beschrieb er seine Art und Weise als „the japanese way“, die vor allem durch Geschmeidigkeit dominiert wurde. Die „german way“ unterscheidet sich durch lange Ausholbewegungen und eckigere Techniken. Die „japanese way“, wie er sie auf dem Lehrgang zeigte, wurde ihm im Honbu Dojo in Tokio beigebracht und so gibt er sie auch an seine Schüler weiter.
Einige kleine Tricks wollte er den Teilnehmern jedoch nicht vorenthalten. So zeigte er vor allem aus der Kata Gojûshiho Dai Techniken en Detail und erklärte mittels Bunkai einige kleinere Sequenzen. Unter anderem der Übergang von Morote Keito Uke in Morote Seiryuto Uchi sowie Kaishu Kosa Uke und Shihon Nukite.
Das sich daraus eine kleine Diskussion entwickelte, und dabei Variationen der Bunkai gezeigt wurden, beeindruckte und erfreute Suzuki Sensei.


Die wenigen Trainingsmomente, in denen Nagai Shihan das Training leitete waren vor allem vom Kumite geprägt. Nachdem Suzuki Sensei die Teilnehmer mit einfachen Kumiteübungen warm gemacht hatte, griff Nagai Shihan in die Trickkiste und zeigte eine breite Palette von Übungen mit einem oder mehreren Gegnern, die den Anwesenden noch einmal alles abverlangte. Obligatorischerweise folgte anschließend eine Pause oder das Ende der Trainingseinheit.

Wie es beim S.K.I.D. üblich ist, verlor man sich nach dem Training nicht aus den Augen, sondern traf sich am Abend, um sich mit den vielen Freunden über die neusten Entwicklungen auszutauschen. Dieses Mal konnte man zugleich einen kleinen Einblick in die Geschichte des Dojo Sakura gewinnen, das mittlerweile 20 Jahre existiert und diesen Lehrgang nutze, um sein Jubiläum am Samstag standesgemäß zu feiern. Nach einem angenehmen Abend mit chinesischen Buffet und Karaoke im Hanno-Haus folgte am Sonntagabend ein weiterer Knüller.
Es ging zum Kommandantenbrunch in die Kasematten, einem Gastronomiebetrieb in der Festung Königstein. Die Kulisse war urig, das Buffet reichhaltig und die Stimmung bis tief in die Nacht prächtig. Als gegen 01:00 Uhr das letzte Bier ausgeschenkt wurde, endete der offizielle Teil des Abends. Wer zu diesem Zeitpunkt noch nicht genug hatte, konnte privat weiterfeiern. Da das Training am nächsten Tag bereits um 10:00 Uhr begann, nahmen nur wenige diese Gelegenheit wahr und standen lieber pünktlich zum Trainingsbeginn um 10:00 Uhr in der Reihe. Einige Karateka trugen bereits stolz ihren neuen Obi, denn die Prüfungen hatten bereits am Samstagnachmittag stattgefunden. Nach kurzer Gymnastik übernahm Suzuki Sensei nochmals das Training und ging abermals auf die Kombinationen der Vortage ein, bevor Nagai Shihan mit einer kurzen Kata-Einheit das Training beendete und den rund 170 Teilnehmern des Lehrgangs eine gute Heimfahrt wünschte und Thilo Wolff und seinen Mitgliedern für die hervorragende Ausrichtung des Pfingstlehrgangs dankte.
Auf die Frage, ob im nächsten Jahr der Pfingstlehrgang wieder in Pirna stattfindet, konnte der Dojoleiter mit einem Lächeln antworten: „Nagai Shihan möchte gerne, und unsere Leute denke ich auch.“.

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 04 Dezember 2015 )