Bellinzona 2005
Geschrieben von Michael Surkau   
Samstag, 04 Juni 2005

Das deutsche TeamZum 30 Jährigen Jubiläum hatte sich das Dojo aus Bellinzona/Schweiz etwas ganz besonderes einfallen lassen: Es richtete einen Länderkampf mit 18 Nationen aus, bei dem pro Nation insgesamt 10 Personen vom Karateclub Bellinzona für zwei Tage eingeladen wurden.
Aus Deutschland konnten sich am Jahresanfang insgesamt 3 Damen (Dana Raczynski, Nicole Eltzsch und Nicole Genz) und 5 Herren (Marco Wäger, Dan Jenke, Roman Gerolt, Alexander Kreiser und Michael Surkau) qualifizieren und hatten dadurch ein habes Jahr zeit sich für diesen Wettkampf gezielt vorzubereiten. Nagai Shihan stellte mit diesen 8 Karatekas ein junges Team zusammen, das zum großen Teil über gar keine oder nur sehr wenige internationale Erfahrung verfügte.
Als Betreuer und Schiedsrichter fungierten Eugen Landgraf und Lothar Müller. Besonders freute man sich über die Teilnahme von Lothar Müller, der sich sehr kurzfristig für diese Aufgabe bereit erklärte, nachdem Reinhard Nawe aus beruflichen Gründen verhindert war.
Insgesamt konnte sich das deutsche Team gut behaupten, auch wenn diesmal ein wenig Glück mit den Schiedsrichtern und Gegnern fehlte. Beeindruckend war die Leistung von Dana Raczynski, die auf ihrem ersten internationalen Wettkampf den Schwarzgurten anderer Nationen Paroli bieten konnte und einen hervorragenden vierten Platz im Katawettbewerb belegen konnte.

Schnee und Eis im JuniAm Donnerstag war das gemeinsame Abschlußtraining in Aalen geplant, so dass die meisten der 8 Karatekas am frühen morgen von zuhause losfuhren. Aufgrund einer Autopanne und einer vier stündigen Wartezeit auf den ADAC konnte das Trio aus dem Norden (Nicole Eltzsch, Alexander Kreiser und Michael Surkau) erst mit großer Verspätung zum Rest des Teams stoßen. Nach einem gemütlichen Abendessen und einer kurzen Nachtruhe fuhren die 8 Karatekas mit Eugen Landgraf am frühen Freitagmorgen in einem gemütlichen VW Bus in Richtung Bellinzona/Schweiz los.
Beeindruckt von der spektakulären Naturkulisse machte das deutsche Team einige kleine touristische Abstecher und traf um halb zwei in Bellinzona, eine kleine Stadt im italienischen Teil der Schweiz, die von drei großen Burgen im Ortskern geprägt wird, ein.
Nach kurzer Suche fand man die Sporthallen, in denen an den kommenden Tagen das Geschehen rund um den Länderkampf stattfinden würde.
Sicht auf die UnterkunftBereits kurze Zeit später nahm man am gemeinsamen Training mit Koga Shihan und Kawasoe Shihan teil. Knapp die Hälfte der 200 Athleten war bereits anwesend, so dass man beim Partnertraining die ersten Kontakte knüpfen konnte. Für die meisten Karatekas aus Deutschland war es zudem die erste Gelegenheit um unter den schweizerischen Bundestrainer zu trainieren.
Im Anschluss an das Training wurde das deutsche Team mit einem extra eingerichteten Shuttelbus zur Unterkunft,einer Jugendherberge, die nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt war, gebracht. Die Einrichtung dieses Shuttleservices war ein Glücksfall für das Team, da der VW Bus während der Hinfahrt immer mehr Probleme machte und schließlich auf dem Parkplatz der Sporthalle den Geist aufgab. Da Lothar Müller die weite Fahrt von Saarbrücken alleine mit seinem Auto zurück gelegt hatte, reichte in den folgenden Tagen ein Shuttelbus aus, um zu den verschiedenen Veranstaltungsorten zu kommen.
Die Jugendherberge wurde nicht nur vom deutschen Team bewohnt, sondern auch von den Dänen, Slowenen, Iren, Südafrikanern und Holländern mit denen man Tür an Tür wohnte.
Während sich die 8 Nationalkadermitglieder über eine Erholungspause nach der langen Fahrt und dem anstrengendem Training freuten, nahmen Eugen Landgraf und Lothar Müller an der Kampfrichterbesprechung teil, bei der wichtige Regeln für den Wettkampftag besprochen wurde.
Später am Abend gehörte der offizielle Empfang der Stadt Bellinzona auf das Pflichtprogramm des Teams. Inmitten der Stadt, auf einer der drei Burgen begrüßte der Vorstand des Karateclubs Bellinzona sowie einige Lokalpolitiker die knapp 200 Athleten aus 17 Nationen. Natürlich wollten die Karatekas aus Deutschland auch nicht verhungern, so dass man sich im Anschluss eine gemütliche Trattoria suchte, in der man mit viel Gesten und wenig sprachlichen Mitteln nach laengerer Zeit wirklich etwas zu essen bekam.

Zog ins Katafinale ein: Dana RaczynskiNach einem üppigen Frühstück am Samstagmorgen machte sich das deutsche Nationalteam auf den Weg zum Wettkampfort und traf um kurz vor acht Uhr an der Halle ein. Die Wettkämpfe wurden um 08:15 Uhr mit den ersten Katawettbewerben eröffnet. Während sich die Starter aufwärmten nahmen Eugen Landgraf und Lothar Müller bereits die ersten Tätigkeiten als Haupt- und Seitenkampfrichter war. Die meiste Zeit waren die beiden deutschen Referees im Einsatz und konnten das deutsche Team nur in der Mittagspause ein wenig aufmuntern und ihnen gute Tipps für die abschließenden Kategorien geben. Durch die gute Organisation vor Ort wurde den deutschen Startern eine Menge Nervosität genommen. Anstatt die Starter per Mikrofon aufzurufen, konnte man jederzeit über einen der vier Beamer den Ablauf eines Wettkampfes beobachten und wußte genau wann man sich vorzubereiten hatte. Sollte doch mal ein Problem auftauchen, stand die gesamte Organisationsmannschaft jederzeit zur Verfügung und war stets zu einigen Scherzen aufgelegt.
Alle drei deutschen Damen waren sowohl für Kata und Kumite gemeldet. Dana Raczynski erwischte einen guten Start und zog nach einem Stechen in die nächste Runde ein. Im weiteren Verlauf steigerte sich die Dresdenerin permanent und zog in das Katafinale ein, das am späten Nachmittag ausgetragen wurde. Ihre Gegnerinnen im Finale kamen aus Japan, Schweiz und Italien. Die japanische Starterin zeigte eine beeindruckende Unsu, erreichte sehr hohe Wertungen und den ersten Platz. die junge Dresdenerin vom Dojo Ouchi lief die Kata Nijûshiho, erreichte jedoch nicht so hohe Wertungen, da sie auf dem glatten Boden kurz ins Rutschen gekommen war. Trotzdem war die Kata technisch sauber und das Timing stimmte. Nachdem die beiden letzten Starterinnen Gojûshiho Dai auf höchst unterschiedliche Weise präsentiert hatten, stand das Ergebnis fest: Dana Raczynski erreicht bei ihrem ersten internationalen Auftritt mit den vierten Platz und hatte als Braungurt einige Schwarzgurte geschlagen.
Bereits in der ersten Runde hatten Nicole Eltzsch und Nicole Genz die Segel streichen müssen, da sie wesentlich erfahrene Gegnerinnen hatten.

Roman GeroltBei den Herren starteten Marco Wäger, Dan Jenke und Roman Gerolt. Bei seiner ersten Katawettkampf auf internationalen Parkett war Roman Gerolt vom Dojo Edo München ein wenig nervös und schied bereits in der ersten Runde aus. Der Mannschaftskapitän Marco Wäger konnte sich in die dritte Runde vorkämpfen und traf dort auf Patrick Jaffré aus Österreich, dem er sich knapp geschlagen gegeben musste. Dan Jenke konnte sich bereits in den ersten Runden gegen starke Gegner durchsetzen und traf in der vierten Runde auf den amtierenden Europameister gegen den er knapp verlor. Trotzdem eine gute Leistung für den 20 Jährigen Braungurt aus dem Dojo Edo Berlin.

Beim Kumite gingen alle 8 Karatekas aus Deutschland an den Start und sahen sich zunächst mit einer neuen Turnierregelung konfrontiert. Alle Starter mussten aus hygienischen Gründen Faustschützer tragen. Zusätzlich sollten durch diese Maßnahmen die Verletzungsrisiken minimiert werden. Gekämpft wurde nachdem Ippon Han Shobu System. Es wurden also drei Wazzaris zum Sieg benötigt. Es gab zudem keine Gewichtsklassen, so dass die Herren sich in einem 70 Mann starken Teilnehmer wiederfanden und die Damen in einem Teilnehmerfeld, das aus gut 30 Damen bestand.
Nachdem sich das deutsche Team drei Paar Faustschützer kurzfristig organisiert hatte, machten die Frauen den Anfang. Während die Berlinerin Nicole Genz erst in der zweiten Runde ihrer Gegnerin nach einem knappen Kampf unterlag, schieden Dana Raczynski und Nicole Eltzsch bereits in der ersten Runde aus. Mit der Kumitemannschaft traf das deutsche Damenteam auf Dänemark. Nicole Genz verlor den Eröffnungskampf wieder knapp. Da Dana Raczynski ein Untenschieden erkämpfen konnte, lagen alle Hoffnungen auf Nicole Eltzsch, die mit zwei sauberen Kontern die Verlängerung erzwang. Hier verloren die deutschen Damen denkbar knapp und schieden aus.
Auch die Herren hatten mit den ungewohnten Schützern und erfahren Gegnern zu kämpfen, so das die Berliner Dan Jenke und Marco Wäger bereits in der ersten Runde ausschieden. Roman Gerolt schied nach zwei Freilosen in seinem ersten Kampf knapp aus, zeigte seinem Gegner aber die Grenzen auf.
Alexander Kreiser und Michael Surkau vom Shimazu Dojo Greven überstanden die ersten beiden Runden ohne Probleme. Während Michael Surkau nach seinem ersten Kampf ein Freilos bekam, kämpfte sich Alexander Kreiser in die dritte Runde. Dort traf er auf einen Gegner, der oftmals in seine Techniken lief, so dass der Grevener zunächst eine Verwarnung bekam und kurze Zeit später, nachdem Alexander Kreiser mit einem blitzschnellen Ushiro Geri ausgeglichen hatte, disqualifiziert wurde, da sein Gegner in seinen Kizami Zuki gesprungen war.
Michael Surkau traf in der dritten Runde auf Bertramo Cino aus Italien und lieferte sich mit dem Europavizemeister einen packenden Fight, den der Deutsche verlor. Im Wettbewerb der Kumitemannschaft trafen die Herren in der ersten Runde auf Slowenien und konnte sich nicht gegen die konterstarken Gegner durchsetzen und schied damit wie auch die Damen in der ersten Runde aus.Nachdem Katafinale der Frauen konnte das deutsche Team entspannt die abschließenden Finalkämpfe beobachten, bei denen vor allem die Mannschaft aus Japan und Italien dominierten.

Am Abend fand das abschließende Bankett statt, bei dem die Sieger der einzelnen Kategorien geehrt und die anwesenden Nationen mit einem Präsent bedacht wurden. Nachdem sich der Festsaal nach dem offiziellen Programm schnell leerte, zog es das deutsche Team in die Innenstadt. Bei angenehmen Temperaturen und Open Air Musik feierte man zusammen mit den Österreichern die vergangenen Tage, bevor man am Sonntagmorgen die lange Tour nach Hause antrat. Aufgrund des defekten VW Bullis wurden das deutsche Team mit einem Mercedes Sprinter abgeholt, der den VW Bus auf einem Anhänger nach Deutschland zurückbrachte. Nach 6 Stunden fahrt traf man in Aalen ein, um sich nach einer kurzen Pizzapause auf den restlichen Rückweg von teilweise 600 km machte.

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 04 Dezember 2015 )