Der Zufall weckte das Interesse

Der Zufall weckte bei Andreas Kemp das Interesse für Gesundheitssport. Nachdem Ehefrau Martina einen Bandscheibenvorfall und einen Kreuzbandriss im Knie erlitten hatte, sagten ihr die Ärzte: „Keinen Sport mehr.“ Damit wollte sich das Ehepaar, für das ohne Sport alles nichts ist, auf keinen Fall abfinden. Die beiden liefen von Arzt zu Arzt, von Orthopäde zu Orthopäde, bis sie einen Professor trafen, der Martina Kemp intensives Krafttraining als Lösung empfahl.

In dem erfahrenen Ahlener Reha-Trainer Heinz Luthmann, er betreute schon Rennrodler Georg Hackl, den Hamburger Sportverein sowie den USC Münster, fand sie jemanden, der mit ihr ein genau auf sie abgestimmtes Trainingsprogramm ausarbeitete. Andreas Kemp fand das faszinierend. So faszinierend, dass er gleich eine zweieinhalbjährige Ausbildung zum Trainer für Gesundheitssport bei Heinz Luthmann absolvierte und seinen bisherigen Job, MTA und Laborleiter, endgültig ad acta legte. Das war 1992. Zugleich belegte er Seminare in Sport- und Trainingstherapie in Münster: „Da tauchte dann erstmals der Gedanke auf, mich selbstständig zu machen, schließlich bin ich ja auch diplomierter Karatelehrer.“

Und wer geht zum Gesundheitssport? „Das sind vor allem Leute mit Haltungsschäden, Wirbelsäulenproblemen, Bandscheibenvorfällen“, sagt Andreas Kemp. Und gibt zu, dass es hart ist, in Greven zu bestehen: „Pro 15 000 Einwohner rechnet man ein Studio, wir haben bei 30 000 Einwohnern vier Studios. Da ergeben sich Probleme von allein.“ Auch, wenn Andreas Kemp eine andere Klientel, eben die Rückenkranken, anspricht. Dadurch, dass Krankenkassen die Rückenschule nicht mehr bezahlen, blieben viele Leute dem Training fern. „Die Menschen putzen ihre Zähne, aber die Wirbelsäulenpflege vergessen sie.“ Nicht Dirk Rekau (60). Regelmäßig trainiert er in dem „Wohlfühltempel“: „Hier werden die Übungen exakt auf Körperzustand und Alter abgestimmt.“ Andreas Kemp erzählt auch von einer 69-Jährigen, die nicht in die „Muckibude“ gehen wollte, bis sie zum Gesundheitssport kam: „Hier fühlt sie sich wohl und nicht auf dem Präsentierteller.“

Um die Rücken- und Haltungsprobleme gerade bei Kindern und Jugendlichen in den Griff zu bekommen, hat Andreas Kemp einen Vorschlag: „Alle Schulen sollten mindestens eine Gesundheitsstunde pro Woche anbieten.“