Geheimnisse des Karate

Greven – 165 in weiß gekleidete Karateka beim Bundeslehrgang am Samstag in der Rönnehalle: Sie unterscheiden sich in Größe, Alter und Gurtfarben “ doch zwei Dinge haben sie gemeinsam: Eine unheimliche Disziplin und Respekt vor den Trainern.

Schnurgerade stehen sie da, es ist mucksmäuschenstill. Sie warten auf Anweisungen. Vorne, in der ersten Reihe, steht Spezialgast Shinji Tanaka. Der Japaner ist Weltmeister im Freikampf 2000, dem Zuschauer fallen sofort sein enormes Körpergefühl und seine kontrollierten Bewegungen auf. Tanaka macht Bewegungsabläufe vor, erzählt etwas auf Japanisch “ der Zuschauer versteht nichts. Die Karateka sofort. „Oss“, antworten sie auf jeden Kommentar des Trainers, was so viel heißt wie „Ja, ich habe verstanden.“
Da auch im Training in Deutschland die Techniknamen auf Japanisch weiter gegeben werden, ist es nicht schwer, sich im Training mit dem Japaner zu verständigen. Dieser braucht nur die Namen der Übung zu sagen und jedem ist klar, was er zu tun hat. „Oss.“ Ein Nicken. Ungefähr 120 Grundtechniken muss ein Karateka in seiner sportlichen Laufbahn erlernen. „Daraus besteht das gesamte Karate“, weiß der Grevener Karateka Michael Surkau.
Die Grundtechniken gilt es immer und immer wieder zu wiederholen, zu perfektionieren. Denn es gibt viele Kleinigkeiten, auf die man achten muss: Ist die Hüfte richtig gedreht“ Handstellung, Kopfstellung, Kniehaltung, das alles muss passen. Mit jedem Gürtel lernt man mehr Techniken, als Schwarzgurt kann man sie schließlich fast alle.

Grundtechniken
Doch vorbei ist das Training dann noch lange nicht. Weiter geht es insbesondere mit so genannten „Katas“, das sind Folgen von Technikabläufen, von denen es insgesamt 26 gibt. Circa 12 hat man bis zum Schwarzgurt erlernt, der Rest folgt später.
Während die unteren Gurte am Samstag beim Bundeslehrgang noch in die Welt der Grundtechniken eingeführt wurden, gingen die Violett-, Braun- und Schwarzgurte weiter in ihrem Training: Die Grundtechniken wurden am Partner geübt. Wichtig: Man muss die Bewegungen so abstoppen, dass dem Partner nichts passiert. Im Freikampftraining, welches nur die Braun- und Schwarzgurte machen, geht es um Reflexe und um Schnelligkeit. Im Gegensatz zu den anderen Übungen im Karate, weiß man hier nicht, was kommt. Man kann aktiv sein, passiv. Im Grunde kann man machen was man will, der Partner muss entsprechend darauf reagieren. Es gibt nur eine Regel: Man darf dem Partner nicht weh tun.

Einklang finden

Aber was verbirgt sich nun hinter diesem japanischen Kampfsport“ Das mag sich auch so mancher Zuschauer am Samstag gefragt haben. Auch Schwarzgurt Michael Surkau fällt die Antwort nicht leicht: Das traditionelle Karate ist Körper und Geist in Einklang zu bringen, das ist Kampfkunst, versucht er eine Definition. Eine komplizierte Antwort.
„Wie kann man Karate begreifen“ „Mit Training, Training, Training“, wiederholt der TVE-Trainer Surkau, was der deutsche Bundestrainer Akio Nagai seinen Sportlern immer wieder sagt.