Dafür ist man nie zu alt

„Versucht mit der Ausatmung noch ein wenig weiter zu kommen.“ Im seitlichen Spagat sitzt Andreas Glatzel vor einer kleinen Gruppe von Karatekas, die seit etwas mehr als 20 Minuten ins Aufwärmtraining vertieft sind. Alle Beteiligten versuchen es Andreas gleichzutun.

„Für Außenstehende mag es unglaublich aussehen. Durch die umfangreiche Kombination aus Dehnungs- und Kraftgymnastik werden Verletzungsrisiken reduziert und wichtige Muskeln trainiert. Vor allem Bauch-, Rücken- und die Beinmuskulatur werden während der Gymnastik gestärkt“, erläutert Lars Bartschat, der selber seit 13 Jahren Karate trainiert.

Das Aufwärmtraining ist für Jung und Alt geeignet. Und nicht nur die Übungen am Anfang, sondern auch das Karatetraining selbst, also das Üben von Fauststößen, Fußtritten und Abwehrtechniken ist für Kinder, Jugendliche und Senioren geeignet, den es steigert Kondition, Koordination und Beweglichkeit.

„Ich bin doch schon viel zu alt für so einen Sport, ist eines der häufigsten Argumente, das wir zu hören bekommen, wenn beispielsweise Eltern ihren Kindern beim Training zuschauen“, bedauert Michael Surkau. Glatzel beweist in jedem Training das Gegenteil. Mittlerweile über 40 Jahre Alt, hat er den Spaß an der asiatischen Kampfkunst noch nicht verloren. Trotz Schichtdienst findet er immer noch Gefallen am Üben der Grundschultechniken, der 26 Katas und ist auch noch auf Lehrgängen in der näheren Umgebung unterwegs, wenn auch nicht mehr ganz so oft wie früher.

Dass es nicht immer um die nächste Gürtelprüfung oder den nächsten Wettkampf gehen muss, beweisen nicht nur Andreas, sondern auch die übrigen „Älteren“ der Abteilung, untern ihnen natürlich auch weibliche Karatekas.

Vor fast genau zehn Jahren initiierte die Karateabteilung, damals noch unter der Leitung von Andreas und Martina Kemp, einen Anfängerkurs für Erwachsene ab 30 Jahre. Diese Idee wurde nach Gesprächen mit Mitgliedern und Interessenten wieder aufgenommen, kurze Zeit später stand der Leiter des Kurses fest. Andreas, seit den Anfangsjahren der Abteilung fest mit dem Karate in Greven verbunden, übernahm den Kurs und teilte seine Erfahrungen.

Im neuen Angebot der Karateabteilung wird nicht leistungsorientiert, sondern unter gesundheitlichen Aspekten trainiert, die vor allem ein besseres Körpergefühl und den Stressabbau fördern sollen. Erreicht wird dies durch intensives, aber nicht überforderndes Training, dessen Schwerpunkt vor allem richtige Körperhaltung und Atmung sind.

Karate ist ein generationsübergreifender Sport, der in den letzten Jahren das Image des Schlägersports verlor, aber gleichzeitig in die Ecke der Hochleistungssportarten gedrängt wurde.

Die Karatekas um Andreas Glatzel möchten Interessenten die Möglichkeit geben, eine andere Seite des Karates kennen zulernen. Mit dem Karate kann jeder anfangen, besondere körperliche Voraussetzungen sind nicht nötig. Neben bequemen Sportklamotten ist nur Spaß an neuen Dingen und Lust auf Bewegung mitzubringen.