Schweigsame Tipps

Greven – Er ist ein ruhiger Typ. Gelassen, konzentriert, klassisch japanisch. Und all das trotz der schrecklichen Umstände in seiner Heimat, die auch Akio Nagai Shihan, Großmeister des Shotokan-Karate und seines Zeichens Bundestrainer dieses Sports, beschäftigen.

Auch an diesem Samstagnachmittag in der Emssporthalle, bei dem der traditionelle Bundeslehrgang auf dem Programm steht. Verwandte und Freunde hat der gebürtige Japaner mit Samuraiwurzeln noch immer im fernen Osten, nach über 30 Jahren, in denen Nagai bereits die Karatekunst in Deutschland lehrt.

Nur reden will er nicht, der schweigsame Altmeister, nicht über die Katastrophe, nicht über den Sport. „Er ist eben ein ganz spezieller Zeitgenosse“, sagt Michael Surkau, Chef-Karateka des TVE Greven, um für ein wenig Verständnis zu werben, dass ausgerechnet der Protagonist des Wochenendes für ein paar sportliche Fragen nicht zur Verfügung steht.
Nun gut. Wenn man ihn dann doch anspricht, kommt schnell die Antwort: „Ich spreche kein Deutsch.“ Den Spaß hat Akio Nagai ob der traurigen Nachrichten-Meldungen also noch nicht verloren, denn: „Deutsch kann er natürlich“, weiß Michael Surkau und erzählt, dass es beim gemeinsamen Mittagessen noch hervorragend geklappt habe. Die Reporter schaffen es auch mit vereinten Kräften nicht.

Das Zuschauen gibt bereits Aufschlüsse: Auf Konzentration, Körperspannung und Technik kommt es an. 120 Teilnehmer tummeln sich in der Emssporthalle. Alle sind sie diszipliniert, gerade eingereiht, um den Anweisungen des Bundestrainers und seines Kompagnons, dem nicht minder erfahrenen Shinji Tanaka Sensei, zu folgen. Tipps von zwei renommierten Großmeistern – wann hat man das schon?

Für Leonard Petersen und Julian Rost ist es ein interessantes, aufregendes Erlebnis: „Wir messen uns mit Sportlern aus ganz Deutschland und werden von richtigen Profis trainiert“, so die beiden Orange-Gürtelträger des TVE über ihre Motivation, beim zweitägigen Lehrgang mitzumachen. Karate-Trainer Michael Surkau ist selbst ebenfalls bei der Sache.
Der Schweiß im Gesicht zeigt: Hier kann jeder noch etwas dazu lernen. „Neben den Grundtechniken stehen in diesem Jahr besonders die Schlag-Zwischenphasen und Partnerübungen im Zentrum“, erläutert Surkau. Am Ende jedenfalls gehen auch die insgesamt 15 Grevener Karate-Sportler geschafft, aber glücklich nach Hause. Für ein Fazit bedarf da es keine großen Worte mehr. Vielleicht im nächsten Jahr