Wieder einmal führte uns der Weg zum ersten Bundeslehrgang des Jahres nach Aalen. Nach einem frühen Kaffee in einer Küche in Mersch starteten wir gut gelaunt in den Süden und erreichten die Lehrgangshalle mehr als pünktlich. Kaum war die Halle aufgeschlossen, nutzten David, Lena, Michael, Alina und Michael die ersten Minuten, um die Muskeln zu lockern und die anderen Teilnehmer zu begrüßen.

Kurz vor 15 Uhr betrat Miura Shihan die Halle. Sichtlich erfreut stellte er fest, dass bereits sechs ordentliche Reihen gebildet waren und alle bereit für das Training waren. Nach einer kurzen Aufwärmgymnastik übernahm der 87-jährige japanische Großmeister die Leitung. Mit beeindruckender Klarheit vermittelte er seine Philosophie des Karate: weniger Fokus auf reine Muskelkraft, dafür ein bewusster, präziser Einsatz von Hüfte, Oberkörper und dem passenden Timing. Zudem verdeutlichte er, dass jede Abwehrtechnik gleichzeitig als Angriff verstanden werden kann. In intensiven Partnerübungen konnten wir diese Prinzipien direkt praktisch umsetzen. Währenddessen beobachtete Miura Shihan aufmerksam, gab individuelles Feedback und präzise Korrekturen.
Die erste Einheit verging wie im Flug. Nach einer kurzen Pause wurden die Teilnehmer in Gruppen eingeteilt. Eugen Sensei und Frank Sensei übernahmen die Kyugrade und erarbeiteten mit ihnen verschiedene Techniken und Partnerübungen. Parallel dazu vertiefte Miura Shihan mit den Schwarzgurten die Kata Bassai Dai und legte dabei besonderes Augenmerk auf die Details der Anfangssequenzen.
In der vorletzten Trainingseinheit wechselten die Gruppen. Frank Sensei ließ die Schwarzgurte zunächst vier verschiedene Kata üben und widmete sich anschließend deren Gemeinsamkeit – die Kombination aus vier Shuto Uke. Partnerweise konnten die unterschiedlichen Anwendungsvarianten ausprobiert und verbessert werden.



Zum Abschluss des Tages wurden die Gruppen nochmals neu zusammengesetzt. Miura Shihan arbeitete mit den höheren Danträgern und griff seine eingangs formulierten Gedanken erneut auf. Er betonte die besondere Verantwortung, die hohe Danträger tragen – gegenüber ihren Schülern im Dojo ebenso wie sich selbst gegenüber. Kontinuierliches Training sei unerlässlich, zugleich müsse das eigene Karate mit zunehmendem Alter weiterentwickelt werden: weg von reiner Muskelkraft, hin zu innerer Kraft und Effizienz. Währenddessen erlebten die übrigen Teilnehmer eine spannende Kumite-Einheit bei Frank Sensei, die er mit einigen Minuten Randori-Training beendete.
Am Abend traf sich ein großer Teil der Lehrgangsteilnehmer in der bereits bekannten Schwabenstube. Bei kühlen Getränken und einem reichhaltigen Schnitzelbuffet wurden die Energiespeicher wieder aufgefüllt und viele gute Gespräche geführt und irgendwie war die Nacht kürzer als geplant.
Der Sonntag begann mit einer intensiven Zuki-Einheit unter der Leitung von Eugen Sensei. Aus zunächst einfachen Übungen entwickelten sich zunehmend komplexe Abläufe, die sowohl Kondition als auch Koordination forderten. Nach einer kurzen Pause wurden erneut Gruppen gebildet. Die Schwarzgurte trainierten wieder bei Miura Shihan, der diesmal die Ausholbewegung des Shuto Uke als Angriff interpretieren ließ und zeigte, wie sich aus kleinen, unscheinbaren Bewegungen wirkungsvolle Armhebel entwickeln lassen. Die übrigen Teilnehmer vertieften parallel bei Eugen Sensei ebenfalls verschiedene Hebeltechniken.

Alles in allem war es ein großartiges und bereicherndes Wochenende. Jeder konnte wertvolle Impulse für das eigene Training mitnehmen – und der Spaß kam dabei keineswegs zu kurz. Auch die Rückfahrt verlief so entspannt wie die Hinfahrt. Vielleicht wurden diesmal ein paar gelbe Autos mehr entdeckt – doch pünktlich um 19 Uhr waren wir wieder zu Hause.
