Ein Sommerlehrgang gehört für viele Karateka zu den absoluten Höhepunkten des Jahres. Intensive Trainingseinheiten, hochkarätige Trainer und der Austausch mit anderen Karateka aus zahlreichen Dojos machen diese Veranstaltungen zu etwas Besonderem. Der diesjährige Karate-Sommerlehrgang in Ostbevern bot genau das – und noch einiges mehr. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden den Weg nach Ostbevern, um gemeinsam zu trainieren, voneinander zu lernen und die Gemeinschaft des Karate zu erleben.

Für uns war die Anreise in diesem Jahr besonders angenehm. Im Vergleich zu Pirna liegt Ostbevern ja praktisch vor der Haustür. Das bedeutete: ausgeschlafen zum Training und abends der Luxus, im eigenen Bett schlafen zu können. Gleichzeitig fehlte dadurch ein kleines Stück des typischen Gasshuku-Feelings, das entsteht, wenn man mehrere Tage gemeinsam vor Ort lebt und den Karate-Alltag miteinander verbringt.
Perfekte Organisation durch das Dojo Yamauchi Yodo
Veranstaltet wurde der Sommerlehrgang vom Dojo Yamauchi Yodo unter der Leitung von Jörg Sensei. Gemeinsam mit zahlreichen Helferinnen und Helfern aus den umliegenden Dojos wurde für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Von der Organisation, der Kasse bis zur Verpflegung war alles hervorragend vorbereitet. Ohne das Engagement der vielen Beteiligten im Vorder- und Hintergrund ist eine Veranstaltung dieser Größe gar nicht zu stemmen.
Schweißtreibendes Training
Ein besonderes Highlight war die Anwesenheit von Bundestrainer Akio Nagai, der eigens aus Japan angereist war. Auch wenn Nagai Shihan selbst keine Trainingseinheit leitete, war seine Präsenz jederzeit spürbar. Mit geschultem Blick beobachtete er die Leistungen seiner Schülerinnen und Schüler und verfolgte das Geschehen mit Argusaugen. Für viele Karateka war allein seine Anwesenheit eine zusätzliche Motivation, ihr Bestes zu geben.
Die eigentlichen Trainingseinheiten wurden von Manabu Murakami Shihan und Yasuyuki Aragane Sensei geleitet. Beide wechselten sich während des Lehrgangs regelmäßig ab und schufen ein durchdachtes Gesamtkonzept. Die Einheiten bauten logisch aufeinander auf und man konnte zahlreiche Details für das Training im Dojo oder die eigene Entwicklung aufsaugen.
Erfolgreiches Karate beginnt mit einem guten Angriff
Einen Schwerpunkt setzte Aragane Sensei – wie in den letzten Jahren – auf die Grundlagen des Karate. Immer wieder betonte er, dass ein sauberer Block nur dann realistisch trainiert werden kann, wenn auch der Angriff korrekt ausgeführt wird. Nur ein präziser und ehrlicher Angriff ermöglicht dem Trainingspartner, die Abwehrtechnik unter realistischen Bedingungen zu üben.

Ebenso eindringlich vermittelte er eine weitere wichtige Trainingsphilosophie: Zunächst müssen Bewegungen langsam und technisch sauber ausgeführt werden. Erst wenn die Technik stimmt, wird das Tempo Schritt für Schritt erhöht. Wer Geschwindigkeit vor Präzision stellt, verfestigt Fehler und erschwert den späteren Lernprozess. Zugegeben: Aragane Sensei musste diesen Fokus mehrfach betonen, damit wir diesen Fokus verstanden und wussten, was von uns erwartet wurde. Deutlich wird aber mal wieder, wie wichtig das Kihon-Training selbst für gestandene Karateka bleibt.
Training für Körper und Geist
Die Trainingseinheiten verlangten uns einiges ab. Glück hatten wir mit den Temperaturen – sie sanken ab Donnerstag merklich. Aber nicht nur körperlich, sondern auch mental waren Konzentration und Durchhaltevermögen gefragt. Wie bei vielen traditionellen Karate-Lehrgängen begann jeder Trainingstag mit einer gemeinsamen Einheit. Anschließend wurden Gruppen entsprechend ihres Leistungsstandes eingeteilt, sodass jede der drei Gruppen auf dem passenden Niveau trainieren konnte.
Shimazu mittendrin
Unser Dojo war mit insgesamt zehn Karateka vertreten und nutzte die Gelegenheit, gemeinsam zu trainieren und neue Impulse mitzunehmen. Gerade bei einem Lehrgang dieser Größe entstehen viele Gespräche, neue Bekanntschaften und wertvolle Erfahrungen und täglich ein neuer Muskelkater, über den man sich am nächsten Tag vor dem Training vortrefflich auslassen konnte.




Das große Highlight: Drei erfolgreiche Schwarzgurtprüfungen
Der (emotionale) Höhepunkt des Wochenendes stand jedoch erst noch bevor. Für Timo, Ulf und Lena rückte die Schwarzgurtprüfung mit jeder Trainingseinheit immer näher. Mit jedem Training stieg die Nervosität merklich.
Die Prüfung am Samstag vor Nagai Shihan, Murakami Shihan und Eugen Sensei verlangten den drei Prüflingen noch einmal alles ab. Technische Präzision, Ausdauer, Konzentration und Kampfgeist mussten nach drei anstrengenden Trainingstagen, Muskelkater und Nervösität trotzdem auf höchstem Niveau gezeigt werden.

Am Ende folgte die verdiente Belohnung: Die drei bestanden ihre Schwarzgurtprüfung erfolgreich. Damit konnten sie die Früchte ihres intensiven Trainings der vergangenen Monate ernten. Herzlichen Glückwunsch zu euren bestanden Prüfungen!
Gemeinsam feiern gehört dazu
Nach den bestandenen Prüfungen durfte selbstverständlich auch gefeiert werden. Wie es sich gehört, wurde es spät. Die letzten machten sich erst gegen halb drei Uhr nachts auf den Heimweg. Viel Zeit zum Ausschlafen blieb allerdings nicht, denn bereits um 10 Uhr standen wir (fast vollzählig) wieder gemeinsam in der Sporthalle.
Fazit: Ein Sommerlehrgang, der lange in Erinnerung bleibt
Das Gasshuku in Ostbevern war weit mehr als ein normales Trainingswochenende. Wie immer erstklassige japanische Karategroßmeister, hervorragend strukturierte Einheiten und eine ausgezeichnete Organisation rundeten die vier Tage ab.
Vor allem die enge Verzahnung der Trainingseinheiten von Murakami Shihan und Aragane Sensei zeigte, wie modernes und traditionelles Karatewissen sinnvoll vermittelt werden kann. Gleichzeitig machten die erfolgreichen Schwarzgurtprüfungen von Timo, Ulf und Lena deutlich, dass sich konsequentes Training und Ausdauer auszahlen.
