Karate - die Entwicklung einer Kampfkunst
Geschrieben von Michael Surkau   
Donnerstag, 05 Januar 2006

Eine kurze Definition ( für diejenigen, die nicht viel lesen wollen)

Schlägt man in einem Lexikon nach, findet man unter dem Begriff "Karate" folgende Definition:
"Karate (leere Hand), ursprünglich als Okinawa-Te bezeichnet, ist eine Kampfkunst aus Japan zur waffenlosen Selbstverteidigung."


Schon in dieser Definition wird deutlich, dass Karate ursprünglich aus Okinawa stammte, sieht man sich jedoch weiter in der Historie um, gelang man schnell zu einem anderen asiatischen Land, das ebenso viel Einfluss auf diese alte Kampfsportart hatte. China:

Die Ursprünge: China
Die ersten komplexen Kampfsysteme wurden schon weit vor unserer heutigen Zeitrechnung in China entwickelt. Rituelle, religiöse oder esoterische Traditionen waren zunächst Gründe für die Entwicklung dieser Systeme, die irgendwann von Kriegsherren für den kriegerischen Zweikampf perfektioniert wurden.
Bodhidharma (Daruma, Ta Mo) ließ sich im 5. Jahrhundert im Kloster Shaolin nieder, in dem der buddhistische Mönch seine Schüler in Körperkräftigenden Übungen, die Ausdauer und Stärke verleihen sollten, unterwies. Diese Kampfkunst ist heute als Shao- Lin- Kampfkunst bekannt und bildet die Grundlage für viele verschiedene Kampfkunstsysteme.

Der Weg von China nach Okinawa

Circa 600 Kilometer vor Japan liegt die Insel Okinawa, die aufgrund ihrer Lage schon vor Jahrhunderten Kontakte sowohl zu China als auch zu Japan pflegte. Auch die Einwohner auf Okinawa hatten ein Kampfsystem entwickelt, dass nach und nach durch verschiedene Stile aus China und Japan weiterentwickelt wurde. Daraus entstand aus dem eigentlichen "Te" das "To-De", was übersetzt Technik aus China bedeutet (Kunst aus China wird ebenso zur Übersetzung benutzt).
Im 14 Jahrhundert festigte sich der Einfluss Chinas auf Okinawa nochmals und der Einfluss der chinesischen Kampfkünste nahm noch mehr zu. Doch schon im Jahr 1429 wurden Waffenverbote erlassen, die die Meister des To-Des dazu veranlassten, ihre Kampfkünste im Geheimen weiter zu üben und weiter zu vermitteln.
Ein neues Waffenverbot wurde im 17. Jahrundert erlassen, dass diesmal drastischer war und nicht von chinesischen Herrschern stammte, sondern von dem japanischen Samurai Clan der Satsumas, die Okinawa erobert hatten.
Dieses Verbot führte dazu, dass die Kampfkünste noch intensiver im Geheimen geübt wurden und die Techniken für die Selbstverteidigung perfektioniert wurden.
Bis zum 18 Jahrhundert entwickelte sich so aus dem "To" und dem "To-De" das "Kara-Te", bzw. das "Okinawa-Te".

Von Okinawa nach Japan

Nach Japan gelangte diese Kampfsportart vorerst nicht, denn die Meister des "To-De" sträubten sich den japanischen Besatzern ihre Kampfkunst zu vermitteln. Es sollten knapp 300 Jahre vergehen, bis die Japaner die Gelegenheit bekamen diese Kampfkunst zu erlernen.
1908 wurde durch Yasutsune Itsou eine entschärfte Version des "Okinawa-Te" an okinawischen Schulen eingeführt, und legte damit den Grundstein der weltweiten Verbreitung, die durch seinen Schüler "Gichin Funakoshi" weiter vorangetrieben wurde.
1921 ging Funakoshi nach Japan um sein Konzept vorzustellen, und musste zunächst Namen für Techniken und Formen in die japanische Sprache übertragen, damit Karate als offizielle japanische Kampfkunst unterrichtet werden durfte. Die Schriftzeichen für "Kara-Te" wurden so übertragen, dass sie auch im japanischen als "Kara- Te" gelesen wurde, aber die Bedeutung bedeutete nun "leere Hand". Ziel seines Trainings war die Vervollkommnung von Körper und Geist, die nur durch regelmäßige Übung erreicht werden konnte.

Die modifizierte Version des Karates erfreute sich in Japan großer Beliebtheit, führte aber dazu, dass Gichin Funakoshi mit der Zeit sein Trainingskonzept, dass aus intensiven Wiederholungen der Katas bestand, ändern musste. Widerstrebend führte er das Partnertraining ein, untersagte aber den freien Kampf.
1938 zog sich Funakoshi zurück und hinterließ seinem Sohn und anderen Schülern sein Dojo.

Nach dem zweiten Weltkrieg begannen die Schüler von Funakoshi wieder mit dem Training, konnten sich aber nicht auf eine einheitliche Linie einigen.
Zwei Namen sind mit der Weiterführung des Systems nach Funakoshi eng verbunden: "Shigeru Egami" und "Genshin Hironishi". Diese beiden Meister führten die ihnen gelehrte Form weiter und benannten diese Stilrichtung "Shotokan"(Shoto = Pinienrauschen, Kan = Halle), in Anlehnung an das Hauptdojo ihres Meisters.
Das Shotokan Karate entwickelte sich in verschiedenen Ausprägungen weiter. So entstand 1949 durch Hidetaka Nishiyama die JKA, deren Ziel es ist Karate als Wettkampfsport zu etablieren.
Aber nicht nur das heutige Shotokan Karate verbreitete sich durch Einflüsse okinawischer Meister. Auf die gleiche Weise wie der Shotokan Stil, wurden Shito-Ryu,
Goyo-Ryu und Wado-Ryu nach Japan gebracht und verbreitet.




traditionelles Karate:


In der heutigen Zeit hat sich das Karate einmal mehr an die derzeitige Situation angepasst. Wissenschaftliche Erkenntnisse über Körperfunktionen, wie Muskulatur und Bewegungsabläufe flossen in die Technikausführung ein, so dass effektivere, aber gleichzeitig gelenkschonendere Techniken möglich sind.
Viele Stile Fallen unter den Begriff Shotokan, weißen untereinander aber auch Unterschiede auf.

Technisch gesehen basiert das traditionelle Karate auf dem Prinzip des "Todome-waza". Das "Todome-waza" wird als eine Technik erklärt, welche ausreicht, einen gegnerischen Angriff zu beenden bzw. einen angreifenden Gegner kampfunfähig zu machen. Hierbei wird diese Technik auf ein Zielgebiet konzentriert, wobei mit maximaler geistiger und körperlicher Kraft geschlagen oder getreten wird.
Karate im Sinne dieserPrinzipien ist eine Kampfkunst, in der alle Gliedmassen hauptsächlich in Stössen, Schlägen und Tritten zur Verteidigung und zu Gegenangriffen eingesetzt werden. Ziel des traditionellen Karate ist es, in der körperlichen und geistigen Auseinandersetzung mit dieser Kampfkunst unter der Achtung des (sportlichen ) Gegners die Persönlichkeit zu entfalten.